Die OptionFinder Marktampel

Sieben Markt-Indikatoren, eine Frage: Ist heute ein guter Tag für Stillhalter-Strategien?

Was ist die Marktampel?

Stillhalter verkaufen Volatilität gegen Prämie. Doch nicht jeder Tag ist dafür geeignet: in ruhigen Märkten sind die Prämien zu klein, in Krisen zu riskant. Und in einem schwachen Marktumfeld können selbst gut gewählte Strikes ungewollt zugewiesen werden.

Die OptionFinder Marktampel kombiniert sieben Marktindikatoren aus den Bereichen Volatilität, Sentiment und Trend zu einer einzigen Bewertung. Sie zeigt auf einen Blick, ob das aktuelle Marktumfeld für Stillhalter-Strategien spricht — und wenn ja, wie aggressiv man unterwegs sein darf.

Die Bewertung fällt in eine von fünf Stufen — von sehr offensiv (Markt unterstützt aktives Stillhalten) über neutral bis sehr defensiv (Pause empfohlen).

Die sieben Indikatoren im Detail

Jeder Indikator beleuchtet einen anderen Aspekt des Marktumfelds. Erst die Kombination ergibt ein robustes Bild — kein einzelner Wert genügt, um den richtigen Zeitpunkt zu treffen.

VIX Index

Volatilität

Was es misst: Der VIX misst die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 für die kommenden 30 Tage. Im Volksmund „Angstbarometer“.

Warum es zählt: Stillhalter verkaufen Volatilität. Ein zu niedriger VIX bedeutet schwache Prämien — der Verkäufer wird nicht für das Risiko entlohnt. Ein zu hoher VIX signalisiert Stress: Prämien sind zwar verlockend, aber das Risiko unkontrollierter Kursbewegungen ist überproportional groß.

Stufen
  • sehr niedrig schwache Prämien
  • niedrig unterdurchschnittlich
  • Sweet Spot optimal für Stillhalter
  • erhöht selektiv handeln
  • hoch / Panik Pause empfehlenswert

VIX-Terminstruktur

Volatilität

Was es misst: Vergleich der vorderen und hinteren VIX-Futures. Contango bedeutet: Termin-VIX höher als Spot-VIX (ruhige Lage). Backwardation: Termin-VIX niedriger (akute Nervosität).

Warum es zählt: Contango ist das natürliche Marktregime — und das Umfeld, in dem Stillhalter-Strategien historisch am besten funktionieren. Backwardation tritt typischerweise in Korrekturen oder Krisen auf; dann sollten Stillhalter Positionsgrößen reduzieren oder pausieren.

Stufen
  • starkes Contango sehr ruhig
  • Contango ruhiger Markt
  • flach Vorsicht
  • leichte Backwardation Nervosität
  • starke Backwardation Stress oder Krise

SPY Put/Call Ratio

Sentiment

Was es misst: Verhältnis aus Put-Volumen und Call-Volumen auf den S&P-500-ETF. Niedrige Werte bedeuten mehr Calls als Puts (bullisch), hohe Werte mehr Puts (bearisch / Absicherungsdruck).

Warum es zählt: Ein extrem niedriges Verhältnis (Euphorie) ist oft ein Kontraindikator — Märkte drehen, wenn alle bullish sind. Ein extrem hohes Verhältnis (Panik-Hedging) signalisiert, dass viele bereits abgesichert sind und Erleichterung bevorstehen kann. Stillhalter mögen die Mitte.

Stufen
  • sehr niedrig Euphorie — Kontraindikator
  • ausgeglichen guter Bereich
  • leicht defensiv noch in Ordnung
  • sehr hoch extreme Absicherung

IV / HV Ratio (SPY)

Volatilität

Was es misst: Verhältnis aus impliziter Volatilität (was Optionspreise als zukünftige Schwankung einpreisen) zu historischer Volatilität (was tatsächlich gemessen wurde).

Warum es zählt: Wenn IV deutlich über HV liegt, zahlen Käufer einen Aufpreis für die Versicherung — Stillhalter kassieren diesen Aufpreis. Wenn IV unter HV liegt, sind Optionen zu billig — schlechtes Umfeld für Verkäufer.

Stufen
  • IV billig schwache Prämien
  • fair bewertet normales Umfeld
  • IV hoch gute Prämien für Verkäufer
  • IV sehr hoch erhöhtes Risiko

SPY Put Skew

Sentiment

Was es misst: Vergleich der Volatilität von Out-of-the-Money-Puts gegenüber Out-of-the-Money-Calls. Ein hoher Skew bedeutet: Puts sind deutlich teurer als Calls — der Markt zahlt ein Versicherungs-Premium für Abwärtsrisiken.

Warum es zählt: Ein moderater Skew zeigt gesunden Risiko-Appetit — Stillhalter bekommen für Put-Verkäufe eine ordentliche Prämie. Ein zu niedriger Skew (Selbstgefälligkeit) ist riskant; ein zu hoher Skew (Angst-Markt) bedeutet, dass die Marktteilnehmer eine Korrektur einpreisen.

Stufen
  • sehr niedrig Selbstgefälligkeit
  • normal gesunder Markt
  • erhöht gute Prämien für Puts
  • sehr hoch Angst-Markt

SPY vs. SMA50

Trend

Was es misst: Position des S&P 500 (SPY) relativ zum 50-Tage-Durchschnitt (gleitender Mittelwert). Ein zentraler Trend-Filter, der zeigt ob der Markt aktuell im Aufwärts- oder Abwärtsregime ist.

Warum es zählt: Stillhalter-Strategien mit Put-Verkauf haben in einem klaren Aufwärtstrend eine deutlich höhere Erfolgswahrscheinlichkeit. Steht SPY weit unter der SMA50, drohen schmerzhafte Assignments. Der Indikator schützt vor Stillhaltern in den falschen Marktphasen.

Stufen
  • weit über SMA50 starker Aufwärtstrend
  • über SMA50 Aufwärtstrend
  • knapp drunter Vorsicht
  • unter SMA50 Abwärtsdruck
  • weit unter SMA50 Abwärtstrend

Marktbreite

Trend

Was es misst: Anteil der Symbole im Watchlist-Universum, die einen bestätigten Aufwärtstrend zeigen (ADX ≥ 20 und positiver Richtungsindex). Misst, ob der Markt von vielen Aktien getragen wird oder nur von wenigen Schwergewichten.

Warum es zählt: Ein gesunder Markt hat breite Beteiligung. Wenn nur wenige Aktien (etwa die Tech-Schwergewichte) den Index nach oben tragen, ist die Aufwärtsbewegung fragil — eine Korrektur wirkt sich überproportional aus. Stillhalter brauchen Diversifikation, also auch breite Marktteilnahme.

Stufen
  • sehr breit viele Aktien tragen mit
  • solide gesunde Beteiligung
  • mittel gemischtes Bild
  • schmal wenige Aktien führen
  • sehr schmal Markt von wenigen getragen

Die fünf Status-Stufen

Aus den Einzel-Bewertungen aller sieben Indikatoren ergibt sich eine Gesamtaussage, die in eine von fünf Stufen fällt — von sehr offensiv bis sehr defensiv:

Sehr offensiv

Optimale Bedingungen

Alle Schlüssel-Indikatoren sprechen für Stillhalter-Strategien. Volatilität im Sweet Spot, ruhige Terminstruktur, Trend bestätigt, Marktbreite gesund. Standard-Setups mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit.

Offensiv

Gute Bedingungen

Markt unterstützt Stillhalter-Strategien. Mehrheit der Indikatoren positiv, einzelne Vorsichts-Signale. Reguläres Stillhalten möglich.

Neutral

Gemischte Signale

Indikatoren widersprüchlich. Selektiv vorgehen, Positionsgrößen reduzieren, Strikes weiter aus dem Geld wählen. Kein genereller Stopp, aber höhere Disziplin.

Defensiv

Erhöhtes Risiko

Mehrere Stress-Signale. Positionsgrößen deutlich runter, kürzere Laufzeiten, defensiv einstellen. Keine aggressiven neuen Strikes.

Sehr defensiv

Sehr ungünstig

Stress-Indikatoren dominieren, Trend gebrochen oder breite Schwäche. Pause empfohlen — keine neuen Stillhalter-Positionen. Bestehende Trades aktiv managen.

Verlauf der letzten 90 Tage

Jede Kachel ist ein Handelstag. So sieht man auf einen Blick, wie häufig die Ampel wechselt und wie stabil die Bedingungen waren. Wochenenden und Feiertage sind ausgespart.

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Sehr offensiv Offensiv Neutral Defensiv Sehr defensiv

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