Optionen Grundlagen

Die wichtigsten Begriffe und Konzepte rund um Optionen — verständlich erklärt, ohne Mathematik.

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Was ist eine Option?

Eine Option ist ein Vertrag, der dem Käufer das Recht — aber nicht die Pflicht — gibt, einen Basiswert (z.B. eine Aktie) zu einem festgelegten Preis bis zu einem festgelegten Datum zu kaufen oder zu verkaufen.

CALL

Recht zu kaufen

Wer einen Call käuft, sichert sich das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Strike zu kaufen. Wert steigt, wenn der Aktienkurs über den Strike steigt.

PUT

Recht zu verkaufen

Wer einen Put käuft, sichert sich das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Strike zu verkaufen. Wert steigt, wenn der Aktienkurs unter den Strike fällt.

Die vier Eckdaten jedes Optionskontrakts

Strike

Der vereinbarte Preis, zu dem der Basiswert gekauft oder verkauft werden kann.

Prämie

Der Preis der Option selbst — das, was der Käufer zahlt und der Verkäufer einnimmt.

Verfallstag

Datum, an dem die Option erlischt. Bis dahin kann das Recht ausgeübt werden.

Kontraktgröße

Ein Standard-Kontrakt entspricht 100 Aktien. Eine Prämie von $1,00 = $100 pro Kontrakt.

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Käufer vs Verkäufer (Stillhalter)

Jede Option hat zwei Seiten: einen Käufer (Long-Position) und einen Verkäufer (Short-Position, auch Stillhalter genannt). Beide haben grundverschiedene Risiko-Profile.

LONG (KÄUFER)
  • Zahlt die Prämie
  • Hat das Recht, die Option auszuüben
  • Maximaler Verlust: die gezahlte Prämie
  • Maximaler Gewinn: theoretisch unbegrenzt (bei Calls)
  • Profitiert von großen Bewegungen
SHORT (STILLHALTER)
  • Kassiert die Prämie sofort
  • Hat die Pflicht, bei Ausübung zu liefern oder abzunehmen
  • Maximaler Gewinn: die kassierte Prämie
  • Maximaler Verlust: theoretisch hoch (bei nackten Optionen)
  • Profitiert von Seitwärtsbewegungen und Zeitablauf
Warum OptionFinder auf Stillhalter setzt: Stillhalter haben statistisch eine deutlich höhere Trefferquote (PoP), weil sie auf nichts passiert setzen statt auf etwas passiert. Der Markt bewegt sich die meiste Zeit seitwärts — Zeitwertverfall (Theta) ist ein verlässlicher Verbündeter. Risiko-Management durch definierte Spreads macht die Strategie kalkulierbar.
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Moneyness — ITM, ATM, OTM

Moneyness beschreibt das Verhältnis zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem Strike der Option. Drei Kategorien sind üblich:

ITM — In the Money

Call: Aktienkurs liegt über dem Strike.
Put: Aktienkurs liegt unter dem Strike.

Hat einen inneren Wert. Teurer, weil bereits "im Geld".

ATM — At the Money

Strike liegt etwa auf Höhe des aktuellen Aktienkurses (nächstgelegener Strike).

Höchstes Theta — der Zeitwert verfällt hier am schnellsten.

OTM — Out of the Money

Call: Aktienkurs liegt unter dem Strike.
Put: Aktienkurs liegt über dem Strike.

Nur Zeitwert. Stillhalter verkaufen typischerweise OTM-Optionen.

Stillhalter bevorzugen meist OTM-Optionen mit Delta zwischen 0,15 und 0,30. Das entspricht etwa 70–85 % Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfällt — und damit der größte Teil der Prämie als Gewinn verbleibt.
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Die Greeks — Delta, Theta, Gamma, Vega

Die Greeks beschreiben, wie der Optionspreis auf verschiedene Markt-Faktoren reagiert. Vier davon sind im Alltag wichtig — und keine davon erfordert höhere Mathematik, um sie zu verstehen.

Δ

Delta — Kurs-Sensitivität

Zeigt, um wie viel sich der Optionspreis ändert, wenn der Aktienkurs um $1 steigt. Werte zwischen 0 und 1 (Calls) bzw. 0 und −1 (Puts).

Praktischer Nutzen: Delta ist eine grobe Schätzung der Wahrscheinlichkeit, dass die Option im Geld verfällt. Ein Delta von 0,30 bedeutet ca. 30 % Verfalls-Wahrscheinlichkeit ITM — und damit 70 % Wahrscheinlichkeit, dass die Option wertlos verfällt (PoP für Stillhalter).

Θ

Theta — Zeitwertverfall

Zeigt, wie viel Wert die Option pro Tag durch reines Vergehen der Zeit verliert.

Praktischer Nutzen: Theta ist der beste Freund jedes Stillhalters. Wer eine Option verkauft hat, profitiert jeden Tag etwas mehr — auch wenn sich der Aktienkurs nicht bewegt. Theta beschleunigt sich in den letzten 30–45 Tagen vor Verfall.

Γ

Gamma — Änderungs-Geschwindigkeit von Delta

Zeigt, wie schnell sich Delta ändert, wenn sich der Aktienkurs bewegt.

Praktischer Nutzen: Gamma ist nahe ATM am größten und in den letzten Tagen vor Verfall am explosivsten. Eine ATM-Option kurz vor Verfall reagiert sehr stark auf kleine Kursbewegungen — Stillhalter meiden diese "Gamma-Bombe" oft durch frühes Schließen der Position.

Ν

Vega — Volatilitäts-Sensitivität

Zeigt, wie sich der Optionspreis ändert, wenn die implizite Volatilität (IV) um 1 % steigt oder fällt.

Praktischer Nutzen: Stillhalter wollen Optionen verkaufen, wenn die IV hoch ist (teure Prämien) und schließen, wenn die IV niedrig ist. Ein IV-Crush nach Earnings (plötzlicher IV-Abfall) ist ein typischer Stillhalter-Gewinn.

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Implied Volatility & IV Rank

Implied Volatility (IV) ist der zentrale Treiber für Optionsprämien. Wer Stillhalter ist, sollte sie verstehen.

Was ist IV?

IV ist die vom Markt erwartete jährliche Schwankungsbreite des Basiswerts — abgeleitet aus den aktuellen Optionspreisen. Eine IV von 30 % bedeutet: Der Markt erwartet, dass sich die Aktie in den nächsten 12 Monaten in einem Band von ±30 % bewegt.

Hohe IV = hohe Prämien (gut für Verkäufer). Niedrige IV = niedrige Prämien (schlecht für Verkäufer).

Warum IV Rank besser ist als IV absolut

Eine IV von 30 % ist für eine ruhige Versorgeraktie extrem hoch — aber für einen Tech-Wert wie Tesla völlig normal. Absolute IV-Werte sind also nicht vergleichbar.

IV Rank löst das Problem: Er stellt die aktuelle IV in den Kontext der vergangenen 12 Monate. Eine Skala von 0 bis 100:

IV Rank 0–30

Niedrig — Prämien sind im Vergleich zur eigenen Historie billig. Schlechte Zeit für Stillhalter.

IV Rank 30–60

Mittel — ausgewogenes Verhältnis zwischen Prämie und Bewegung. Solide Stillhalter-Zone.

IV Rank 60–100

Hoch — Prämien sind ungewöhnlich teuer. Beste Zeit für Stillhalter.

IV Crush nach Earnings

Vor Quartalszahlen steigt die IV stark, weil der Markt die Unsicherheit einpreist. Direkt nach den Zahlen fällt die IV abrupt — egal wie das Ergebnis ausgefallen ist. Dieser Effekt heißt IV Crush und kann eine Stillhalter-Position über Nacht in einen Gewinn verwandeln. Allerdings: Die Aktie selbst kann sich nach Earnings in jede Richtung stark bewegen — das Risiko bleibt.

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Probability of Profit (PoP)

PoP (Probability of Profit) ist die theoretische Wahrscheinlichkeit, dass eine Position bei Verfall im Gewinn ist. Für Stillhalter ist sie eine der wichtigsten Kennzahlen.

Wie wird die PoP berechnet?

Die exakte Berechnung basiert auf dem Black-Scholes-Modell und berücksichtigt unter anderem den Strike, die Restlaufzeit und die implizite Volatilität. Eine sehr gute Faustregel ist jedoch:

PoP ≈ 1 − |Delta|

Ein Short Put mit Delta −0,20 hat also eine PoP von etwa 80 % — in 4 von 5 Fällen verfällt die Option wertlos und der Stillhalter behält die volle Prämie.

Warum Stillhalter typischerweise hohe PoPs haben

Stillhalter setzen darauf, dass die Aktie sich nicht in eine bestimmte Richtung bewegt — oder dass sie zumindest nicht weit genug bewegt, um die Strike-Schwelle zu überschreiten. Da die meisten Aktien die meiste Zeit in einem überschaubaren Band schwanken, sind PoPs von 70 % bis 90 % bei vorsichtiger Strike-Wahl der Normalfall.

Vorsicht: Eine hohe PoP bedeutet nicht automatisch einen lukrativen Trade. Eine PoP von 95 % mit nur 2 % potenziellem Gewinn aber 50 % potenziellem Verlust ist mathematisch ungünstig. Stillhalter achten immer auf das Verhältnis von PoP, Prämie und Risiko zusammen.

OptionFinder weist die PoP in beiden Cash Flow Plänen direkt aus.
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Liquidität verstehen

Liquidität bestimmt, wie leicht eine Option zu fairen Preisen gekauft oder verkauft werden kann. Ein scheinbar attraktiver Trade verliert seine Attraktivität schnell, wenn der Spread zu breit ist oder kein Gegenpart zu finden ist.

Bid, Ask und Spread

Der Bid ist der höchste Preis, zu dem ein Käufer aktuell bereit ist zu kaufen. Der Ask ist der niedrigste Preis, zu dem ein Verkäufer aktuell bereit ist zu verkaufen. Die Differenz heißt Spread.

Ein enger Spread (z.B. $0,05 bei einer $2,00-Option = 2,5 %) bedeutet hohe Liquidität. Ein weiter Spread (z.B. $0,30 bei einer $2,00-Option = 15 %) bedeutet niedrige Liquidität und sofortigen versteckten Verlust beim Ein- und Ausstieg.

Open Interest vs Volumen

Open Interest (OI)

Anzahl der aktuell offenen Kontrakte zu diesem Strike und Verfallstag. Hohe OI = viele Marktteilnehmer beobachten diese Option. Ein guter Indikator für dauerhafte Liquidität.

Volumen

Anzahl der Kontrakte, die heute gehandelt wurden. Hohes Volumen heute = aktive Order-Books, gute Chance auf Fill nahe am Mittelkurs.

Faustregel: Optionen mit OI < 100 oder Spread > 10 % sollten vermieden werden. Im Notfall kommt man dort nicht ohne deutlichen Verlust raus.
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Häufige Fehler beim Einstieg

Die meisten Anfängerverluste kommen nicht aus mangelndem Wissen über die Greeks — sondern aus wenigen, immer wiederkehrenden Fehlern.

  1. Earnings-Trades ohne Plan. Vor Quartalszahlen sind die Prämien hoch — aber die Bewegung nach Earnings kann jeden SL aushängen. Wer in Earnings hineintradet, sollte das bewusst und mit kleinerer Position tun.
  2. Zu kleines Konto für die Strategie. Ein Cash-Secured Put auf eine $200-Aktie bindet $20.000. Wer mit einem $10.000-Konto so etwas eingeht, hat keine Diversifikation und nichts für Anpassungen übrig.
  3. Strikes zu nah am Markt. Höhere Prämie ist verlockend — aber ein Delta von 0,40 bedeutet 60 % PoP statt 80 %. Auf 100 Trades sind das 20 Verlierer mehr.
  4. Illiquide Optionen handeln. Eine "günstige" Option mit einem 20 % Bid-Ask-Spread ist beim Schließen plötzlich teuer. OI und Volumen prüfen, bevor eine Order rausgeht.
  5. Keine Exit-Regeln. Wer ohne Take-Profit- und Stop-Loss-Plan einsteigt, lässt Gewinne zurücklaufen und Verluste eskalieren. Eine 50 %-TP und 200 %-SL Regel ist ein guter Startpunkt.
  6. Position zu lange halten. In den letzten zwei Wochen vor Verfall steigt das Gamma stark — und damit das Risiko, dass eine ruhige Position plötzlich kippt. Viele Stillhalter schließen bei 21 DTE und rollen.

Bereit für die nächste Stufe?

Mit diesen Grundlagen sind die sechs Stillhalter-Strategien im Detail leicht zu verstehen.

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